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PATRICK HEAD
CHEFINGENIEUR
Als Patrick Head 1978 als Chief Designer bei Williams Grand Prix Engineering zu Frank Williams stieß, hatte er garantiert keine lange Motorsportkarriere im Sinn, aber nach seinem ersten Jahr auf dem Team mit Alan Jones am Steuer des FW06, hat er seine Meinung rapide geändert. Patrick beschreibt das so: „Eine Weile lang dachte ich, ‚Hmm, das könnte eigentlich Spaß machen und vielleicht mache ich dann nächstes Jahr etwas anderes‘, aber dann dachte ich: ‚Eigentlich ist dies ziemlich gut, und wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken, können wir vielleicht etwas erreichen und einen Grand Prix gewinnen.‘ “ Dreißig Jahre später und mit zahlreichen gewonnenen Weltmeisterschaftstiteln unter Dach und Fach kann Patrick auf eine der hervorragendsten Karrieren der Formel Eins zurückblicken. Es hätte jedoch auch ganz anders kommen können.
Patrick wurde buchstäblich in die Welt der Sportwagenrennen hineingeboren, denn sein Vater Michael Head war ein begeisterter und sehr erfolgreicher Amateurrennfahrer. Schon als Kind half Patrick in der Garage im Haus der Eltern in Woking mit. Der Vater bestand darauf, dass Patrick mit einem Stipendium das Royal Naval College in Dartmouth besucht, aber Patrick war nicht gerade erbaut von der Idee, sein Leben auf hoher See verbringen zu müssen, und so kaufte er sich mit £195 aus seinem Vertrag frei – dies wurde, wie man sich denken kann, daheim nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. Als er von jemandem, den er als ‚einen tollen alten Kerl‘ bezeichnete und der in der Familie als Vetter Alec bekannt war (ein Ire), mit riesigen Kinnbacken und einer roten Nase, etwas erbte, konnte sich Patrick finanziell selbst durchschlagen und einen Honours Degree an der London University erwerben. Für kurze Zeit fuhr er Clubman Sportwagen, interessierte sich dann aber mehr für die Welt des Motorsports und fand einen Job bei Lola Cars in Huntingdon – einem der angesehendsten Hersteller von Rennwagen in Großbritannien.
Nach zweieinhalb Jahren verließ Patrick Lola und richtete eine Motorenentwicklungsfabrik ein. Leider war dies nur ein kurzlebiges Unterfangen, weil das Gebäude abbrannte. Danach ergab sich für ihn die Gelegenheit, einen F2-Wagen für Richard Scott to konstruieren. Im Anschluss daran trat er der Trojan Organisation von Peter Agg bei, um dem ehemaligen Brabham-Designer Ron Tauranac unter die Arme zu greifen. Kurz darauf schloss er sich Frank Williams Racing in Reading an, die ihren Namen anschließend zu Walter Wolf Racing änderten. Anfang 1977 startete er zusammen mit Frank Williams Grand Prix Engineering. Diese Entscheidung sollte er niemals bereuen.
Nach einer Saison, wo lediglich ein einziger March-Wagen im Einsatz war, konstruierte Patrick den schmucken FW06, mit dem sich das Team einen Namen machte. Von da an wirkte sich Patricks Persönlichkeit und Einfluss auf die Identität des Teams aus, genauso wie Franks Einfluss überall zu spüren war. Im Laufe der Jahre erwarb sich Patrick einen Ruf als genialer Konstrukteur, während ein Hochleistungsrennwagen nach dem andern aus der Fabrik in der Station Road in Didcot rollte. Gleich zu Beginn seiner Karriere war sein umfassender und äußerst genauer Ansatz an Ingenieursarbeit der Spitzenklasse offensichtlich. Alan Jones erinnert sich an eine schwere Karambolage während einer Testfahrt in Watkins Glen und dass ihm Patrick damals sein Wort gegeben hatte, dass alles zufriedenstellend behoben worden war, nachdem er die ganze Nacht hindurch daran gearbeitet hatte. Das genügte Jones, und am folgenden Tag kehrte er voll Vertrauen zur Rennstrecke zurück. Noch nach 19 Jahren kann sich Jones erinnern: „Patrick versicherte mir, dass das Problem gelöst war. Und nachdem Patrick dies gesagt hatte – Peng, das genügte! Ich hatte blindes Vertrauen in Patricks Fähigkeiten und das ist heute noch so.“
Dieser Vorfall war eine kleine Episode, die weiter zu dem guten Ruf für allerhöchste Maßstäbe in Bezug auf vortreffliche Technik und Integrität beitrug, die schließlich zum Kennzeichen des Teams wurden. Die andere Eigenschaft, die Head seinem Team einbläute, war die Leidenschaft für Innovationen und Infragestellen althergebrachter Weisheiten. In den folgenden Jahrzehnten wurde sodann Pragmatismus sorgfältig mit einer Reihe neuer Konzepte, Ideen und Technologien vermischt, die zwar auf anderen Gebieten bereits akzeptiert waren, bisher jedoch noch nicht bei der Formel Eins, bis sie in einem Williams-Rennwagen auftauchten.
Patrick Head war genauso wie Frank Williams fast drei Jahrzehnte lang die treibende Kraft innerhalb der Williams-Organisation. Die symbiotische Beziehung zwischen diesen beiden Firmeninhabern macht es schier unmöglich, einem von ihnen die 16 Weltmeisterschaften allein zuzuschreiben, die das Team seit der Gründung von Williams Grand Prix Engineering im Jahr 1979 gewonnen hat. Und darin liegt vielleicht das Geheimnis – keiner der Männer hätte vielleicht auch nur eine einzige Trophäe für sich allein gewonnen, aber die ideale Verschmelzung von Eigenschaften und Fähigkeiten trugen dazu bei, dass ihre berufliche Beziehung fortbestand und erfolgreich war.
2004 wurde Patrick Director of Engineering (Chefingenieur) und übernahm eine strategischere Rolle, damit Sam Michael, der Technical Director, die technische Abteilung weiter ankurbeln und Patrick sich dank seiner enormen Erfahrung mehr um eine effiziente Ausrichtung der Organisation kümmern konnte, die inzwischen im Hinblick auf Design und Prototypenentwicklung äußerst komplex geworden war.
Patrick lebt mit seiner brasilianischen Frau und zwei kleinen Kindern in London. Obwohl er nicht viel freie Zeit hat, blieb von seiner Zeit damals bei Dartmouth anscheinend doch etwas hängen: Seine nach wie vor vorhandene Liebe für das Meer. Wenn man an die technischen Ähnlichkeiten denkt ist es deshalb nicht verwunderlich, dass er vom Schiffsbauprozess fasziniert ist und am Bau seines eigenen Bootes beteiligt war. Während der Nebensaison 2005 erfüllte er sich einen lebenslangen Wunsch und segelte als Teilnehmer an der Atlantic Rallye von Gran Canaria nach St. Lucia quer über den Atlantik. Obwohl man, nachdem ein Segel weggeweht wurde, nach Las Palmas zurückkehren musste und deshalb fast drei Tage verlor, kam die Mannschaft vom 215. noch auf einen respektablen 62. Platz!
2009 spielt Patrick neben Frank eine zentrale Rolle bei der strategischen geschäftlichen Leitung von Williams, kümmert sich um die technischen Aspekte und stellt sicher, dass das Team auf alle Mitarbeiter und technischen Einrichtungen zählen kann, die es für seinen Wiederaufstieg an die Spitze benötigt.
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